Jüdisches Leben in Deutschland

Jüdisches Leben ist kaum sichtbar. Jüdische Einrichtungen aber fallen durch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen und Polizeischutz auf. Die meisten Menschen haben sich wohl daran gewöhnt – scheinbare Normaltät in Köln, Düsseldorf, Berlin und vielen anderen Städten.

Zu den jüdischen Traditionen gehört auch Tu Bischwat, das „Neujahrsfest der Bäume“, welches jetzt Ende Januar in vielen Gemeinden gefeiert wird. Tu Bischwat ist kein religiöses Fest, aber eines welches die Bindung an Israel und den Gemeinschaftsgedanken stärken möchte. Es ist ein fröhliches Fest mitten im grauen Winter und es bringt den Frühling, der in Israel gerade beginnt nach Deutschland. „Jüdisches Leben in Deutschland“ weiterlesen

Über Pluralismus und Demokratie

Die Pluralität der Menschen ist eine Tatsache (Hannah Arendt).
Nur eine offene, freie und demokratische Gesellschaft trägt dem Rechnung (Die Pluralisten).

In ihrem Essay „Was ist Politik?“ stellt Hannah Arendt fest, dass in sämtlichen wissenschaftlichen Disziplinen „der“ Mensch im Mittelpunkt steht. Das mag in der Biologie oder Philosophie sinnvoll sein. In der Politik ist es das nicht – versucht sie doch das Zusammenleben der Verschiedenen zu regeln. „Über Pluralismus und Demokratie“ weiterlesen

Chanukka in Köln

Was bedeutet das Chanukka Fest?

Mit dem Fest wird die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem durch die Makkabäer, einer kleinen Gruppe jüdischer Aufständiger nach der Entweihung durch die hellenistischen Herrschenden gefeiert. Nach einer Erzählung des Talmuds befand sich im Tempel nur noch ein einziges Fläschchen mit geweihtem Öl. Dieses hätte nur für einen Tag reichen sollen. Es brannte jedoch, wie durch ein Wunder, acht ganze Tage und Nächte hindurch, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. „Chanukka in Köln“ weiterlesen

Darf man über Religion lachen?

Ja – und vielleicht erst recht in Zeiten wie diesen, wo sich die Fronten zu verhärten scheinen, die gesellschaftlichen Konfliktlinien zahlreich geworden sind und Befürchtungen weit verbreitet.

Auch über den Islam?? – Möchte man in Anbetracht der Lage vorsichtig nachfragen. Aber ja – sagt Kerim Pamuk, Autor des im April 2017 erschienenen Buches „Der Islam, das Islam, was Islam?“, das er im Kölner Kabarett-Theater „Senftöpfchen“ vorstellte.

Das Buch – so der Verlag – enthält das Wichtigste, was interessierte Nicht-Muslime über „den“ Islam wissen müssen und zwar in Form eines satirischen Lexikons. Einträge gibt es zu Themen wie Abfall vom Glauben, Scharia, Fatwa, Halal und Haram oder Salafismus. Interessant ist die Geschichte der ersten Frau des Propheten Mohammed. Sie gilt als „Geburtshelferin“ der Religion und passt so gar nicht in das Bild, welches sich heute viele von Frauen im Islam machen. In der Sprache ist das Buch oft flapsig und komisch, aber ernster, wenn es beispielsweise um den Liberalen Islam geht.

Am Ende der Lesung herrscht Nachdenklichkeit im Saal. Die Fragen, die vielen Menschen schon länger quer auf der Seele hängen und für die es an diesem Abend keinen Raum gab, sind spürbar. Spürbar geworden sind auch die Verletzungen bei denjenigen, die sich allzu oft pauschalen Gruppenzuschreibungen ausgesetzt sehen. Sie verhindern sich respektiert und angenommen zu fühlen. Das wirkt nach.

Kerim Pamuk: Der Islam, das Islam, was Islam? Gütersloher Verlagshaus, 2017, ISBN 978-3-579-08675-0

Scheinbare Normalitäten

Vor dem Gebäude steht ein Streifenwagen. Nur wer angemeldet ist und seinen Personalausweis dabei hat, kann die Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich passieren.

Die Führung der Synagogengemeinde Köln durch die Synagoge in der Roonstrasse ist Teil des Rahmenprogramms „Hilliges Köln 2.0“, einer Ausstellung anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums im Historischen Archiv der Stadt Köln.

Historischer Abriss – das jüdische Leben in Köln hat eine sehr lange Geschichte.

Interessant sind u.a. die religiösen Speise- und Kleidervorschriften. Hier zeigen sich Parallelen zu anderen Religionen.

Einen hohen Stellenwert haben für viele Menschen dieser Gemeinde die Familie und die Pflege von Traditionen. Das macht bekanntermaßen den Umgang mit gleichgeschlechtigen Paaren schwierigerer („Seid fruchtbar und mehret euch…“), aber sie werden toleriert und sind Teil der Gemeinschaft.

Die offene Diskussion schließlich bringt Probleme zu Sprache, die derzeit wenig im Fokus sind und bedrücken. Hierzu gehören die Angst mit Kippa in der Öffentlichkeit angefeindet zu werden und das Gefühl einer in Teilen der Gesellschaft tief verwurzelten Ablehnung.

Zurück zum Ausgangspunkt – scheinbar normal geworden sind Polizeischutz und Sicherheitsvorkehrungen. Aber sie sind es nicht.