Vom Leben in der pluralen Gesellschaft

Kaum jemand wird bestreiten, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Wie wir Veränderungen wahrnehmen und damit umgehen ist individuell verschieden. Zum Einstieg drei ganz unterschiedliche Sichtweisen.

Interessant ist die Perspektive von Thomas Bauer, Arabist und Islamwissenschaftler. Mit Blick auf unsere Gesellschaft spricht er eher von Scheinvielfalt. „Vom Leben in der pluralen Gesellschaft“ weiterlesen

Über die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit

Toleranz gegenüber Minderheiten ist für viele normativ, leben wir doch in dem Selbstverständnis, dass allen Menschen gleiche Rechte zukommen. Natürlich identifizieren wir uns mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, deren Kernbotschaft bereits in den ersten zwei Sätzen formuliert ist:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

Selbstverständlich beginnt auch das Grundgesetz damit, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind und niemand aufgrund seiner Herkunft, seines Glaubens oder seines Geschlechts benachteiligt werden darf. Das ist unser Anspruch – kollektiv wie auch individuell.

Aber dennoch…

„Über die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit“ weiterlesen

Wer feiert mit?

Am 19.4.2018 feiert Israel seinen Unabhängigkeitstag und 70-jähriges Jubiläum. Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel anlässlich des 60. Jahrestages vor der Knesset, dem israelischen Parlament, in Jerusalem sprach. Die Rede gilt als wichtiger Meilenstein in der Beziehung beider Länder. Angela Merkel sprach von der historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels, von Solidarität als Teil deutscher Staatsräson und gemeinsamen Werten. Klare Worte – alles gut? „Wer feiert mit?“ weiterlesen

Unsichtbare Minderheit

Was wissen wir eigentlich über Sinti und Roma?

Im Zweifel nicht viel und was wir wissen, haben wir in den seltensten Fällen aus persönlichen Gesprächen mit Menschen erfahren. Es fehlen Gelegenheiten und viele Roma verbergen ihre Identität auch aus Angst vor Diskriminierung.

Wie lebt es sich als Rom oder Romni in unserer Gesellschaft? „Unsichtbare Minderheit“ weiterlesen

Jüdisches Leben in Deutschland

Jüdisches Leben ist kaum sichtbar. Jüdische Einrichtungen aber fallen durch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen und Polizeischutz auf. Die meisten Menschen haben sich wohl daran gewöhnt – scheinbare Normaltät in Köln, Düsseldorf, Berlin und vielen anderen Städten.

Zu den jüdischen Traditionen gehört auch Tu Bischwat, das „Neujahrsfest der Bäume“, welches jetzt Ende Januar in vielen Gemeinden gefeiert wird. Tu Bischwat ist kein religiöses Fest, aber eines welches die Bindung an Israel und den Gemeinschaftsgedanken stärken möchte. Es ist ein fröhliches Fest mitten im grauen Winter und es bringt den Frühling, der in Israel gerade beginnt nach Deutschland. „Jüdisches Leben in Deutschland“ weiterlesen

Über Pluralismus und Demokratie

Die Pluralität der Menschen ist eine Tatsache (Hannah Arendt).
Nur eine offene, freie und demokratische Gesellschaft trägt dem Rechnung (Die Pluralisten).

In ihrem Essay „Was ist Politik?“ stellt Hannah Arendt fest, dass in sämtlichen wissenschaftlichen Disziplinen „der“ Mensch im Mittelpunkt steht. Das mag in der Biologie oder Philosophie sinnvoll sein. In der Politik ist es das nicht – versucht sie doch das Zusammenleben der Verschiedenen zu regeln. „Über Pluralismus und Demokratie“ weiterlesen

Chanukka in Köln

Was bedeutet das Chanukka Fest?

Mit dem Fest wird die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem durch die Makkabäer, einer kleinen Gruppe jüdischer Aufständiger nach der Entweihung durch die hellenistischen Herrschenden gefeiert. Nach einer Erzählung des Talmuds befand sich im Tempel nur noch ein einziges Fläschchen mit geweihtem Öl. Dieses hätte nur für einen Tag reichen sollen. Es brannte jedoch, wie durch ein Wunder, acht ganze Tage und Nächte hindurch, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. „Chanukka in Köln“ weiterlesen

Darf man über Religion lachen?

Ja – und vielleicht erst recht in Zeiten wie diesen, wo sich die Fronten zu verhärten scheinen, die gesellschaftlichen Konfliktlinien zahlreich geworden sind und Befürchtungen weit verbreitet.

Auch über den Islam?? – Möchte man in Anbetracht der Lage vorsichtig nachfragen. Aber ja – sagt Kerim Pamuk, Autor des im April 2017 erschienenen Buches „Der Islam, das Islam, was Islam?“, das er im Kölner Kabarett-Theater „Senftöpfchen“ vorstellte.

Das Buch – so der Verlag – enthält das Wichtigste, was interessierte Nicht-Muslime über „den“ Islam wissen müssen und zwar in Form eines satirischen Lexikons. Einträge gibt es zu Themen wie Abfall vom Glauben, Scharia, Fatwa, Halal und Haram oder Salafismus. Interessant ist die Geschichte der ersten Frau des Propheten Mohammed. Sie gilt als „Geburtshelferin“ der Religion und passt so gar nicht in das Bild, welches sich heute viele von Frauen im Islam machen. In der Sprache ist das Buch oft flapsig und komisch, aber ernster, wenn es beispielsweise um den Liberalen Islam geht.

Am Ende der Lesung herrscht Nachdenklichkeit im Saal. Die Fragen, die vielen Menschen schon länger quer auf der Seele hängen und für die es an diesem Abend keinen Raum gab, sind spürbar. Spürbar geworden sind auch die Verletzungen bei denjenigen, die sich allzu oft pauschalen Gruppenzuschreibungen ausgesetzt sehen. Sie verhindern sich respektiert und angenommen zu fühlen. Das wirkt nach.

Kerim Pamuk: Der Islam, das Islam, was Islam? Gütersloher Verlagshaus, 2017, ISBN 978-3-579-08675-0