Seit 2000 Jahre leben Juden hier…

auf dem Gebiet, das heute Deutschland ist. Sie kamen mit den Römern, waren Teil der Geschichte und haben Gesellschaft mitgeprägt. Köln kommt dabei eine besondere Rolle zu, denn seit nachweislich 1700 Jahren gibt es jüdisches Leben in der Stadt. Als Beleg gilt das Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321, welches Kölner Juden ermöglichte in Ämter der Stadtverwaltung berufen zu werden. Dieses früheste Zeugnis jüdischen Lebens gab den Anstoß für das Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, eine Geschichte von Ausgrenzung, Verfolgung, Ermordung. Blütezeiten gab es auch, aber sie waren vergleichsweise kurz. Was also machen aus einem Jubiläum mit einer solchen Geschichte dahinter? Schwierig. Und heute? Schätzungsweise 150.000 Jüdinnen und Juden leben in Deutschland. Ein kleines Pflänzchen, welches es vielerorts ohne den Zuzug der Juden aus der Sowjetunion nicht mehr gäbe. Und ein Pflänzchen hinter Mauern, weil es ohne Polizeischutz für Synagogen, Kindergärten und Schulen nicht geht. Scheinbare Normalität. Frei und unbeschwert in Vielfalt zusammen leben, das wäre normal.

Trotzdem und gerade deshalb gibt es dieses Festjahr. Zahlreiche Menschen engagieren sich dafür, haben Veranstaltungen und Aktionen geplant. Es liegt die Hoffnung darin, dass positive Energie für die Zukunft, Empathie entsteht, Neugier und Interesse geweckt wird, wenn die Vielfalt jüdischen Lebens Raum, Bühne und damit mehr Sichtbarkeit bekommt. Das Jahr ist eine Einladung an alle, eine Möglichkeit daraus etwas Gutes zu machen.

Von Köln ging der Impuls für dieses Jahr aus. Köln ist Mittelpunkt der Aktivitäten und auch das ist eine Chance. Die Stadt ist so viel mehr als das, was oft von ihr wahrgenommen wird. Die Vielfalt der Stadtgesellschaft und das reiche kulturelle Erbe machen sie besonders. Von Anbeginn waren Juden hier, haben sich eingebracht. Sie hatten großen Anteil an der Entwicklung der Stadt hin zu einer attraktiven Metropole. Als Unternehmer, Architekten*, Künstler und Mäzene haben sie das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben Kölns mitgestaltet. Es lohnt sich auf Spurensuche zu begeben. Köln ist heute auch die Heimat verschiedener jüdischer Communities. Was für Jüdinnen und Juden das Judentum ausmacht und was es für ihr Leben bedeutet, ist ganz verschieden. Es gibt also viel zu entdecken.

*Auf den Spuren jüdischen Lebens: Naumann-Siedlung in Köln-Riehl, Architekt Manfred Faber
Fotograf: Fulvio Zanettini

 

Jüdisches Leben in Deutschland

Jüdisches Leben ist kaum sichtbar. Jüdische Einrichtungen aber fallen durch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen und Polizeischutz auf. Die meisten Menschen haben sich wohl daran gewöhnt – scheinbare Normaltät in Köln, Düsseldorf, Berlin und vielen anderen Städten.

Zu den jüdischen Traditionen gehört auch Tu Bischwat, das „Neujahrsfest der Bäume“, welches jetzt Ende Januar in vielen Gemeinden gefeiert wird. Tu Bischwat ist kein religiöses Fest, aber eines welches die Bindung an Israel und den Gemeinschaftsgedanken stärken möchte. Es ist ein fröhliches Fest mitten im grauen Winter und es bringt den Frühling, der in Israel gerade beginnt nach Deutschland. „Jüdisches Leben in Deutschland“ weiterlesen

Scheinbare Normalitäten

Vor dem Gebäude steht ein Streifenwagen. Nur wer angemeldet ist und seinen Personalausweis dabei hat, kann die Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich passieren.

Die Führung der Synagogengemeinde Köln durch die Synagoge in der Roonstrasse ist Teil des Rahmenprogramms „Hilliges Köln 2.0“, einer Ausstellung anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums im Historischen Archiv der Stadt Köln.

Historischer Abriss – das jüdische Leben in Köln hat eine sehr lange Geschichte.

Interessant sind u.a. die religiösen Speise- und Kleidervorschriften. Hier zeigen sich Parallelen zu anderen Religionen.

Einen hohen Stellenwert haben für viele Menschen dieser Gemeinde die Familie und die Pflege von Traditionen. Das macht bekanntermaßen den Umgang mit gleichgeschlechtigen Paaren schwierigerer („Seid fruchtbar und mehret euch…“), aber sie werden toleriert und sind Teil der Gemeinschaft.

Die offene Diskussion schließlich bringt Probleme zu Sprache, die derzeit wenig im Fokus sind und bedrücken. Hierzu gehören die Angst mit Kippa in der Öffentlichkeit angefeindet zu werden und das Gefühl einer in Teilen der Gesellschaft tief verwurzelten Ablehnung.

Zurück zum Ausgangspunkt – scheinbar normal geworden sind Polizeischutz und Sicherheitsvorkehrungen. Aber sie sind es nicht.